Warum Groß- und Schwerlasttransporte jetzt ganz leicht durch Bremen kommen

Ein Round Table sorgt für freie Fahrt

Quelle: BLG
05. April 2017 - in Häfen & Logistik

Schnelle Bearbeitungszeiten bei Anträgen für Groß- und Schwerlasttransporte, flexiblere Transportzeiten und bauliche Optimierungen der Strecken: Wie grundlegend sich Prozesse verbessern können, wenn alle Akteure zusammenarbeiten, konnten Logistikunternehmen in den vergangenen Jahren in Bremen erleben. Gemeinsam wurde eine Praxis erarbeitet, die heute alle Beteiligten zufriedener macht.

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#Bremen #Bremerhaven #Groß- und Schwerlasttransporte

Vor fünf Jahren war es gar nicht so einfach, einen Schwertransport durch Bremen zu manövrieren. Die Bearbeitung der Anträge dauerte oft wochenlang. Dies passte nicht zu den Anforderungen der Logistik in der modernen Industrie wie Just-in-Time-Prozesse. Viele Logistiker begannen daher, Bremen weit zu umfahren. Der Handlungsdruck war enorm. Bremen handelte und so existiert seit fünf Jahren auf Initiative des Bremer Senators für Wirtschaft, Arbeit und Häfen ein Round Table für Groß- und Schwerlasttransporte in der Hansestadt. In die Gesprächsrunde eingebunden sind zahlreiche Unternehmen der Bremer Hafen- und Transportwirtschaft, Vertreter der Bremer Polizei sowie des Amts für Straßen und Verkehr. Die Gespräche am Runden Tisch fanden anfänglich einmal pro Quartal statt. Inzwischen hat die Runde viel erreicht.

Ursachenforschung, Zuhören und gemeinsames Handeln

Anlass für die Gespräche ist 2012, dass die Route über Bremen für Transportunternehmen unter anderem wegen langer Bearbeitungszeiten im Genehmigungsverfahren unattraktiv geworden ist. Bei den Gesprächen am Runden Tisch zeigt sich, worauf es Unternehmen ankommt: Schnelligkeit bei Genehmigungsverfahren, verlässliche Begleitung von Schwertransporten und Planbarkeit der Fahrten an möglichst vielen Terminen stehen ganz oben auf der Wunschliste.

„Die Gespräche am Round Table waren von Anfang an zielorientiert“, sagt Dr. Iven Krämer, Referatsleiter für Hafenwirtschaft und Schifffahrt beim Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen. Schnell bringen die Gespräche konkrete Ergebnisse.

Mehr Personal für kürzere Bearbeitungszeiten der Genehmigungen

Ob ein Transport genehmigungspflichtig ist, hängt von der Höhe, Breite und Länge ab und vom Gewicht des Fahrzeugs. Mitarbeiter beim Amt für Straßen und Verkehr in Bremen bearbeiten jährlich über 50.000 Anträge für Groß- und Schwertransporte. Auf Initiative des Round Tables wurden dort drei neue Personalstellen geschaffen – seitdem sind die Bearbeitungszeiten für Transportanträge deutlich kürzer als vorher.

„Zunächst einmal bedeuten zusätzliche Personalstellen auch zusätzliche Kosten. Doch die Maßnahmen sichern und steigern auch die Beschäftigung in den Bremer Häfen und in der Industrie vor Ort“,

betont Krämer. 

Der gesamte Standort wird in Frage gestellt, wenn Transporte nicht klappen. Daher machen wir möglich, was geht.“

Aufwändiger Umbau der Frachtstrecke

Der Neustädter Hafen ist heute Europas größter Stückguthafen.  Die BLG betreibt hier Europas größten Terminal für Stück- und Schwergut. Je nach Größe und Frachtstrecke muss ein Transport von der Polizei begleitet werden. Gegenwärtig sind dies beispielsweise regelmäßige überschwere Transporte über 400 t von Airbus in den Neustädter Hafen. Dafür werden jedes Mal Oberleitungen angehoben, Stromnetze abgestellt, Ampeln, Leitplanken und Verkehrsschilder abgebaut und mitunter Fahrwannen ausgelegt. Damit Anwohner und andere Verkehrsteilnehmer geschont werden, passiert dies meistens zwischen 1 und 4 Uhr nachts.

Vielerorts arbeitet die Polizei heute mit einer mobilen Beschilderung. Die begleitenden Polizeibeamten übernehmen den Ab- und Aufbau der Steckschilder. Auch bauliche Maßnahmen führen zu Optimierungen für den Transport übergroßer oder überschwerer Ladung. Mittelinseln zwischen Fahrbahnen werden beispielsweise entfernt und der Kurvenradius vergrößert, so dass Lkw nun passieren können, ohne rangieren zu müssen. Dadurch läuft der Transport schneller und reibungsärmer. „Natürlich sind auch die Firmen selbst für die Anfahrt und eine entsprechende Einweisung der Fahrer zuständig“, sagt Johannes Heine, Referatsleiter beim Bremer Amt für Straßen und Verkehr. „Doch wir haben verstanden, dass wir die Fahrten der Transportunternehmen durch gute Planung verbessern können – und Anwohner weniger belastet werden, weil der Verkehr fließt.“

Zeitfenster für Sondertransporte wurden ausgedehnt 

Eine Polizeibegleitung von Groß- und Schwertransporten war bis 5 Uhr morgens vorgesehen. Die Vertreter des Round Tables beschließen kurzerhand, die Zeit bis 6 Uhr morgens auszudehnen – mit sofortiger Wirkung. Auf ähnlich direkte Weise wird der Transport über das Bremer Kreuz vereinfacht: Transporte können ab Bremerhaven nun schon um 21:00 Uhr starten und sind gegen 22:00 Uhr am Bremer Kreuz. Auch dadurch haben Transportunternehmen eine zusätzliche Stunde Fahrzeit zur Verfügung. Zudem wurde eine weitere, fünfte Transportnacht eingeführt.

Fertigstellung der A 281 und neue Übergabeplätze in naher Zukunft

Mit den Änderungen hat sich der Ruf des Umschlagsorts Bremens spürbar verbessert. Die nahe Zukunft bringt weitere Maßnahmen, die die Situation für einen Transport via Bremen noch komfortabler machen dürften. Die Fertigstellung der A 281, die den Ringschluss der Stadtautobahn bringt, und ist in diesem Zusammenhang ein Meilenstein.

Die DEGES, Projektmanagementgesellschaft für Infrastrukturprojekte, hat die Planung für die Übergabeplätze an der A 1 und A 27 abgeschlossen, aktuell erarbeitet das Land Bremen die weitere Umsetzung.

Austausch und Transparenz für mehr Planbarkeit

Nicht alles in der Projektlogistik ist planbar, und viele Entwicklungen sind beispielsweise  vom internationalen Markt abhängig. Wenn für einen Markt in Übersee zu einem Zeitpunkt verstärkt Teile und Anlagen nachgefragt werden, betrifft das automatisch die Hafenstandorte.

„In diesem Geschäft ist Vertrauen wichtig, auch in die Umschlagsstandorte. Viele Unternehmer beschäftigen sich heute stärker mit der Materie, auch weil die Transparenz viel größer geworden ist“,

sagt Krämer. 

„Unser Ziel war, dass die Protagonisten sich besser austauschen“, sagt Krämer. „Es sind mittlerweile Netzwerke auf allen Ebenen entstanden. Der Austausch funktioniert nun deutlich direkter, weil die Ansprechpartner bekannt sind. Tatsächlich treffen sie sich nun auch öfter zwischen den Terminen in verschiedenen Zusammensetzungen. Auf diese Weise werden potenzielle Probleme heute sehr viel früher angesprochen und können schon im Vorfeld gelöst werden.

Ganz klar ist Transport in Bremen Chefsache: Der Bremer Verkehrssenator lässt sich wöchentlich über die aktuelle Lage briefen. Nun ist es möglich, wichtige Entscheidungen immer schneller zu treffen. Krämer betont mit Blick auf die Zukunft: „Wir wollen unsere Prozesse weiter optimieren. Konkretes Feedback ist für den Round Table daher wichtig und sehr willkommen.“

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