One Belt, One Road – fahrplanmäßige Güterzüge von Bremen nach Beijing

Warum auch Mercedes-Maybachs mit der Eisenbahn nach China fahren

Foto: VIA BREMEN
12. Juni 2017 - in Häfen & Logistik

Logistik sucht immer die passenden Wege. Für Ziele, die häufig nachgefragt werden, etablieren sich dann regelmäßige Transporte. Genau das soll auch die neue Seidenstraße ermöglichen. Warum dies auch für den Transport hochwertiger Waren wie Mercedes-Maybachs interessant ist, erläuterte Chen Si Hellmann, Leiterin von Rail Solutions International bei Hellmann Worldwide Logistics, in einem Vortrag im BHV-Hafenclub.

Dieser Beitrag enthält folgende Tags

#Industrie 4.0 #Projektlogistik

Güterzüge machen Logistik für jedermann sichtbar. Doch die Container auf den Zügen lassen keine Schlüsse auf die Ladung zu. Es mag daher überraschen zu erfahren, dass sich in manchen Containern auch hochpreisige Automobile des Luxussegments finden – auf dem Weg von Deutschland nach China. Nach einem regelmäßigen Fahrplan gehen Züge von Stuttgart, Bremen – und neuerdings auch Speyer – nach Beijing. Der Absatz etwa von Mercedes-Maybachs läuft in China bestens. Dass die exklusiven Fahrzeuge mit der Eisenbahn transportiert werden, hängt auch mit dem Streckennetz zwischen Europa und China zusammen: Die alte Seidenstraße wird zu einer modernen logistischen Infrastruktur ausgebaut. Viele Unternehmen setzen bereits auf diesen Weg, um ihre Waren in die Volksrepublik zu transportieren. Denn das Preis-Laufzeit-Verhältnis überzeugt.

Neubelebung der alten Seidenstraße: „One Belt, One Road“ 

Die neue Seidenstraße gilt manchen als das größte wirtschaftliche Projekt seit Gründung der Volksrepublik China. Die Initiative One Belt One Road, die Chinas Präsident Xi 2013 vorstellte, hat tatsächlich eine besondere Größenordnung: Das Netzwerk soll angrenzende Länder, Europa, Afrika und sogar Südamerika mit China verbinden – und zwar sowohl durch Land- als auch Seewege in sechs verschiedenen Korridoren. 65 Prozent der Weltbevölkerung wären davon berührt, ein Drittel des weltweiten Bruttosozialprodukts und ein Viertel aller Güter und Services weltweit. 65 Staaten sind eingeladen, sich an den verschiedenen Projekten zu beteiligen.

Historische Seidenstraße nicht nur für Seide

Hellmann erinnerte zu Beginn ihres Vortrages an die alte Seidenstraße, die China schon seit 2.000 Jahren mit angrenzenden Regionen über Zentralasien bis ans Mittelmeer verband. Der deutsche Geograph Ferdinand von Richthofen gab der Handelsroute im 19. Jahrhundert ihren heutigen Namen. „Dabei wurde längst nicht nur Seide gehandelt“, so Hellmann. „Es war eine Vielzahl an Gütern: Gewürze, Porzellan, Stoffe, Edelsteine, Gold. Aus dem Mittelmeerraum wurde besonders Glas nach China gehandelt, aber auch Gemüse wie Bohnen und Spinat. Nicht zuletzt kam es auch zu einem Austausch an immateriellen Dingen wie Religion, Glauben und Bräuchen.“ 

Ausbau der Handelswege führt zu Multipolarisierung des Handels

Die aktuelle One-Belt-One-Road-Initiative soll den Trend zu einer Multipolarisierung der Welt stärken und die wirtschaftliche Globalisierung weiter vorantreiben. Denn die neue Seidenstraße ist kein reines „Transit“: Schon die unterschiedlichen Spurbreiten der Eisenbahnnetze auf dem Weg von Asien nach Europa sind ein Grund, warum Waren unterwegs immer wieder für den Weitertransport umgeschlagen werden. Von den Umschlagplätzen werden sie in unterschiedliche Regionen weiter verteilt. Auf diese Weise kann eine Integration von Märkten realisiert werden, von der alle Beteiligten ein Stück profitieren. Für Länder an der Route ist dies eine Chance, sich weiter zu informatisieren und zu entwickeln. 

Bahn garantiert kurze Transportzeiten

Für manche Aufträge kann sich der Transport auf der Schiene gegenüber dem Seetransport durchaus empfehlen.

„Der Bahntransport ist schnell, günstig, präzise und einfach“,

sagt Hellmann. Er ist daher für Transporte von Deutschland nach China, bei denen es auch auf Schnelligkeit ankommt, empfehlenswert – bei deutlich geringeren Raten als in der Luftfracht. „Für Fashion, High-Tech, Retail, aber auch Maschinenbau ist das sehr interessant“, sagt Hellmann.

Transport mit der Bahn ist ideal auch für hochwertige Güter

Container werden heute eingesetzt, um große Mengen Massengüter zu transportieren. Sie eignen sich aber ebenso gut für den Transport beispielsweise von Automobilen im kombinierten Verkehr, weil sie problemlos umgeschlagen werden können. Ob von der Schiene auf die Straße oder aufs Schiff, spielt dabei keine Rolle. „Für hochwertige Waren eignet sich der Transport mit der Eisenbahn auch deshalb gut, weil die Container für den Transport genau ausbalanciert werden. Das führt zu einem sehr schonenden Transport mit der Eisenbahn – außerdem sind Fahrzeuge optimal vor äußeren Einflüssen geschützt“, sagt Hellmann. 

Deutsche Häfen liegen heute an der Seidenstraße

Vom Schienennetz der neuen Seidenstraße profitieren Logistiker heute schon: Die Transportgeschwindigkeiten etwa von China bis Polen von fünf Tagen oder von China bis Mumbai von 21 Tagen bei kombiniertem Verkehr sind hoch. Die Transportzeit lässt sich so gegenüber dem Schiffstransport auch ohne teure Luftfracht halbieren. Eine zentrale Rolle in der Initiative „One Belt, One Road“ spielen die deutschen Binnen- und Seehäfen: Sie sind Logistik-Drehscheiben, denn von hier aus werden Waren weiter ins europäische Hinterland, aber auch nach Übersee transportiert.

Handel als Motor der volkswirtschaftlichen Entwicklung 

Das Projekt „One Belt, One Road“ wird von China energisch vorangetrieben. Entsprechend stellen sich Beobachter die Frage, ob es sich dabei nicht letztlich um einen Plan zur Eroberung der Welt handelt. Die Frage wurde auch an diesem Abend im BHV-Hafenclub gestellt. Hellmanns klare Antwort:

„Das Projekt ist so groß – China kann das gar nicht alleine schaffen. Es geht um Kooperation. Sie führt dazu, dass alle von diesem Projekt profitieren.“

Ob Chinas Pläne in vollem Umfang realisiert werden, hängt auch davon ab, ob die benötigten Gelder für den Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung stehen. Der Umfang der Unternehmung ist zwölfmal so groß wie der Marshall-Plan, der einst Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu seinem Wiederaufbau verhalf. Neben der chinesischen Regierung finanzieren der chinesische staatliche Investment-Fond „Seidenstraßen-Fonds“ sowie die New Development Bank, eine multilaterale Entwicklungsbank der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) das Projekt. Inwieweit es ein privates Engagement geben wird, hängt vor allem von der Transparenz des Projekts ab – ebenso wie vom erwarteten Gewinn und der Frage, wie Marktmechanismen berücksichtigt werden.

Diese Seite teilen

Lesen Sie auch...
Die VIA BREMEN Logistics Ambassadors

Die VIA BREMEN Logistics Ambassadors

Wir bieten interessierten Studierenden mit internationalem Hintergrund im Fach Logistik, u.a. von der Jacobs University Bremen, den Einsatz als VIA BREMEN Logistics Ambassadors an – ein Engagement in der weltweiten Logistikindustrie.

Weiterlesen