Mittelweser wird für Binnenschifffahrt attraktiver

Quelle: VIA BREMEN
23. November 2015 - in Häfen & Logistik

„Mit der Verkehrsfreigabe der Schleuse Minden im Jahre 2017, können Großmotorgüterschiffe die Mittelweser von Bremen nach Minden sicher und zuverlässig befahren und auch den Mittellandkanal passieren“ stellte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Enak Ferlemann, bei einer Informationsveranstaltung im Wasser- und Schifffahrtsamt Bremen vor Vertretern der Binnenschifffahrt klar. 

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#Binnenschifffahrt #Hinterlandanbindung

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung werde darüber hinaus prüfen, wie die bestehenden Einschränkungen verringert werden können. Als eine Option dazu sieht Ferlemann veränderte Schleusenbetriebszeiten, die besser an die Schifffahrt angepasst sind. Denn fest steht schon heute: Der maßgebliche Teil der Gesamtwartezeiten entsteht an den Schleusen. In den oberen Stauhaltungen (Petershagen, Schlüsselburg, Landesbergen) gibt es im Vergleich zu den unteren Stauhaltungen (Drakenburg, Dörverden, Langwedel und Hemelingen) in den Schleusenkanälen durchschnittlich längere Wartezeiten. Diese können durch verbesserte Schleusenbetriebszeiten deutlich reduziert werden. Als Voraussetzung dafür plane die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, alle Schleusen der Mittelweser von Bremen bis Minden zukünftig von einer Stelle aus zu bedienen. So werde in Minden der Bau einer neuen Leitzentrale vorbereitet, die 2019 in Betrieb gehen soll.

Die oberen Stauhaltungen von Petershagen bis Landesbergen wurden bereits von 1989 bis 1995 für das Europaschiff angepasst. In der Stauhaltung Drakenburg stehen die Arbeiten vor dem Abschluss.
Wegen der gravierenden Kostensteigerungen haben sich die Vertragspartner Bund und Freie Hansestadt Bremen abweichend vom Plan dazu entschlossen die Durchführung der vereinbarten Maßnahmen dem aktuellen Verkehrsaufkommen anzupassen. Deshalb wird parallel zu den laufenden Arbeiten eine Verkehrssimulation durchgeführt, um ggf. Engstellen und deren Auswirkungen frühzeitig zu erkennen und zu bewerten.

Prof. Dr.-Ing. Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt erklärte dazu „Wir drehen an verschiedenen Stellschrauben, um den Einsatz von Großmotorgüterschiffen (GMS) - auch im Richtungsverkehr - so attraktiv wie möglich zu machen.“

Die Probefahrt mit einem Großmotorgüterschiff im Frühjahr 2016 werde weitere Erkenntnisse liefern, die mit Blick auf die getroffenen Regelungen ausgewertet und überprüft werden.

Die Freie Hansestadt Bremen beteilige sich mit einem Drittel an den Kosten der Anpassungsmaßnahmen an der Mittelweser und unterstütze diese auch durch eigenes Personal, erklärte Staatsrat Ekkehart Siering vom Bremer Senatsressort für Wirtschaft, Arbeit und Häfen.
Siering: „Die heutigen Informationen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung stimmen mich zuversichtlich, dass die gemeinsamen Bemühungen von Bund und Land Bremen zu einem guten Ergebnis für alle Beteiligten kommen werden. Insbesondere von der Anpassung der Schleusenbetriebszeiten erwarten wir deutliche Verbesserungen im Verkehrsfluss. Bremen steht nach wie vor zu dem Ziel einer leistungsfähigen Nutzung der Mittelweser durch das Großmotorgüterschiff. Mit der geschilderten Herangehensweise können sowohl das gemeinsame Ziel einer zügigen Realisierung des laufenden Mittelweserausbaus erreicht als auch die Interessen und Möglichkeiten beider Finanzierungspartner sowie die Anforderungen der Binnenschiffswirtschaft ausgewogen berücksichtigt werden.“

Einig waren sich die drei Vortragenden darin, dass es ein gemeinsames Ziel sei, mit der Anpassung der Mittelweser die Wettbewerbsfähigkeit der Weserschifffahrt zu sichern und durch Instandhaltungsmaßnahmen die alten Anlagen für die Schifffahrt zu erhalten.
Durch einen sicheren und funktionierenden Verkehr mit Europaschiffen und Großmotorgüterschiffen auf der Mittelweser würden Straßen und Schienen entlastet.

Zusatzinformationen:


Rückblick:

Der erste Schritt hin zu einer durchgehenden Verbesserung der Schifffahrt auf der Mittelweser wurde 1960 mit einer 2,20 m tiefen Fahrrinne für das 1.000 t Schiff abgeschlossen.
In den darauf folgenden Jahren begannen die Planungen für die Anpassung der Mittelweser für das Europaschiff, das seit Ende 2007 die Mittelweser befahren kann.
Die laufenden Anpassungsmaßnahmen an der Mittelweser gehen zurück auf Verträge aus den Jahren 1988 und 1997 zwischen dem Bund und der Freien Hansestadt Bremen, zunächst geplant für das Europaschiff, dann für das Großmotorgüterschiff.


Chronologie und Fakten  (Stand 10.11.2015)

Die Mittelweser besteht aus den oberen Stauhaltungen (Petershagen, Schlüsselburg, Landesbergen) und den unteren Stauhaltungen (Drakenburg, Dörverden, Langwedel und Hemelingen).

1960: Der erste Schritt der Mittelweseranpassung wurde abgeschlossen. Die Fahrrinne für 2,00 m tief abgeladene 1.000 t Schiffe war hergestellt (Länge 67 m. Breite 8,2 m). In den nächsten 20 Jahren wurde die Fahrwassertiefe für eine Abladetiefe von 2,30 vergrößert.

1977: Mit der Planung des Ausbaus für das Europaschiff wurde begonnen.

1988: Die Bundesrepublik Deutschland und die Freie Hansestadt Bremen vereinbaren die Anpassung der Mittelweser für die Befahrbarkeit mit 2,50 m abgeladenen Europaschiffen (ES) (Länge = 85 m. Breite 9,50 m).
Die Kosten sollen zu einem Drittel von der Freien Hansestadt Bremen und zu zwei Dritteln vom Bund getragen werden.

1989 bis 1995 Die oberen Haltungen Petershagen, Schlüsselburg und Landesbergen werden bis auf Restmaßnahmen für das Europaschiff angepasst.

Auf der Grundlage von Verkehrs- und Güterprognosen zeichnete sich für das BMVI und die WSV ein größeres Standardschiff ab, das Großmotorgüterschiff (GMS) mit einer Länge von 110 m und einer Breite von 11,45 m.

1997: Die Bundesrepublik Deutschland und die Freie Hansestadt Bremen ergänzen das Verwaltungsabkommen. Zusätzlich soll das GMS – verbunden mit Restriktionen, Begegnungs- und Abladebeschränkungen (2,50 m) – auf der Mittelweser verkehren können.

2002: Planfeststellungsbeschluss für die Anpassung der Mittelweser in den unteren Haltungen Drakenburg, Dörverden und Langewedel für 2,50 m abgeladene Europaschiffe (ES) und den Verkehr von Großmotorgüterschiffen (GMS) mit Begegnungs- und Abladebeschränkungen.

2009: Die Umsetzung der Baumaßnahmen wurde so organisiert, dass die gesamte Mittelweser ab 2009für das 2,50 m abgeladene Europaschiff mit Verkehrsregelung (16 km =12 % der Strecke) befahrbar ist. Dies ist ein weiterer Schritt, der die Bedingungen für die Schifffahrt verbessert.

2011: Aufgrund erheblicher Kostensteigerungen in den vergangenen Jahren sind die Bundesrepublik Deutschland und die Freie Hansestadt Bremen übereingekommen - anders als ursprünglich beabsichtigt -, die Durchführung der Maßnahmen dem sich entwickelnden Verkehrsaufkommen anzupassen. Das bedeutet, dass unter Zurückstellung von Baumaßnahmen zunächst andere verkehrliche Optimierungen untersucht und berücksichtigt werden sollen.
Deshalb wird parallel zu den laufenden Baumaßnahmen eine Verkehrssimulation durchgeführt, um ggf. Engstellen zu erkennen und deren Auswirkungen sowie Maßnahmen zur Verringerung der Auswirkungen bewerten zu können. Die Berechnungen werden 2015/16 abgeschlossen.

Als erste qualitative Ergebnisse der Verkehrssimulation kann gefolgert werden:
o    Der maßgebliche Teil der Gesamtwartezeiten entsteht an den Schleusen.
o    In oberen Stauhaltungen entstehen, im Vergleich zu den unteren Haltungen, in den Schleusenkanälen im Durchschnitt deutlich längere Wartezeiten.
o    Wartezeiten können auch durch veränderte Schleusenbetriebszeiten reduziert werden.

2016: Ein Großmotorgüterschiff wird eine Probefahrt auf der Mittelweser durchführen. Die Fahrt wird ausgewertet und das Ergebnis verwendet, um die vorgesehenen Regelungen für die Freigabe für Großmotorgüterschiffe zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

2017: Mit Fertigstellung der Einfahrt zum Schleusenoberkanal Dörverden (2015) und der Verkehrsfreigabe der Schleuse Minden kann der GMS-Verkehr mit verkehrlichen Restriktionen ab Anfang 2017 zugelassen werden.

Des Weiteren werden Maßnahmen zur Reduktion der Wartezeiten untersucht.
Es ist geplant, zukünftig alle Schleusen der Mittelweser von Bremen bis Minden von einer Stelle aus zu bedienen. Damit können die Schleusenbetriebszeiten besser an den Bedarf der Schifffahrt angepasst werden. Dementsprechend wird in Minden der Bau einer  neuen Leitzentrale vorbereitet. Diese soll 2019 in Betrieb gehen.

Ab 2016: Die Wehre und Schleusen werden Instand gesetzt sowie Brücken angepasst. Hierfür wird der Bund in den nächsten Jahren das erforderliche Personal und über 100 Mio. € bereitstellen.

Ausgaben für den Ersatz der Schleuse Dörverden: ca.    71 Mio. €
(Schleuse Dörverden seit 2013 in Betrieb)
Ausgaben für den Neubau der Weserschleuse Minden: ca.    97 Mio. €
Ausgaben für die Anpassung der Mittelweser ca.    154 Mio. €

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