Immer größer, immer besser? Effekte der Mega-Container-Carrier für Seehäfen und Hinterland

Quelle: MSC
12. Mai 2015 - in Wissenswert

Mega-Container-Carrier sind die Superlative der Seeschifffahrt: Sie sind bis zu 400 Meter lang, 60 Meter breit und fassen bis zu 20.000 Container. Die Ladung solch eines Riesen erfordert außerdem einen überdurchschnittlichen Tiefgang. Und der Trend reißt nicht ab: Containerschiffe werden immer größer – und stellen erhebliche Anforderungen an die anzulaufenden Häfen.

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#Container #Bremerhaven #ISL

Die Infra- und Suprastruktur der Häfen sind gefragt

Wenn riesige "Pötte" im Hafen einlaufen, bleibt so manchem die Spucke weg: Beeindruckend, wie sich die Tonnen aus Eisen und Stahl durchs Hafenbecken wälzen. Um die Mega-Carrier aufzunehmen, müssen sich Häfen an die Dimensionen anpassen: Die Becken müssen breit und tief genug sein, damit ein Mega-Carrier problemlos wenden kann. In Bremerhaven wurde dafür eine große Fläche in der Fahrrinne vor der Stromkaje vertieft. Die Reichweite der Containerbrücken muss ebenfalls so groß sein, dass sie über die volle Breite ein Containerschiff löschen und beladen können. Je größer das Schiff, desto höher die Kosten der Häfen - für Infrastruktur (Zufahrten, Wendebecken, Liegewannen, Kaimauern) und Suprastruktur (Containerbrücken, Kranbahnen).

Mehr Ladung auf weniger Schiffen und Hinterlandverbindungen – Stau an Land und auf dem Wasser

Wegen der Mega-Container-Carrier laufen prinzipiell weniger Schiffe einen Hafen an, weil sie pro Fahrt mehr Ladung transportieren können als normale Containerschiffe. Durch das hohe Fassungsvermögen steigt der Umschlag im Hafen aber dennoch. Die Mengen kommen allerdings konzentriert im Hafen an. Läuft ein vollbeladenes Großschiff zum Löschen ein, muss der Hafen die Lagerkapazitäten dafür bereitstellen – denn der Weitertransport der Güter folgt in der Regel nicht am ersten Tag. Ein Beispiel: Ein Containerschiff mit 18.000 TEU Kapazität läuft in den Hafen ein, wo 4.000 bis 5.000 Container gelöscht und geladen werden sollen. Hierfür muss der Terminal über freie Lagerfläche für mindestens 8.000 bis 10.000 TEU verfügen und diese planen – und zwar auf der Vorstaufläche für die Container, die exportiert werden und für die Zwischenlagerung der importierten Container. Wenn diese Kapazitäten nicht frei sind, kommt es zum Stau im Hafen. Die räumliche und zeitliche Bündelung der Containermengen wirkt sich auch auf die Feederschifffahrt aus: Wenn die Container-Riesen insgesamt weniger Häfen ansteuern (um Kosten zu sparen oder weil andere Häfen nicht auf die Mega-Container-Carrier ausgerichtet sind), müssen Binnen- oder Feederschiffe den Rest des Weges übernehmen. Im Hinterland führt die Konzentration der Dienste auf weniger Häfen letztendlich zu einer höheren Belastung und zu längeren Wegen.

Allianzen zwischen Reedereien erhöhen den Wettbewerbsdruck der Häfen

Nur die größten Reedereien oder entsprechend große Allianzen setzen Mega-Carrier ein – nur sie sind in der Lage, ein entsprechendes Ladungsvolumen zu akquirieren und zu koordinieren. Kleinere Reedereien geraten dadurch unter Zugzwang: Um keine Wettbewerbsvorteile zu verlieren, müssen sie sich ebenfalls zu Allianzen zusammenschließen. Diese Entwicklungen erhöhen zwangsläufig den Druck auf die Häfen: Einerseits weil sie in der Lage sein müssen, die Umschlagmengen aufzunehmen, andererseits weil große Einzelreeder oder Allianzen eine oder mehrere große Direktdienste von einem Standort abziehen können. Dies nimmt erheblichen Einfluss auf den Wettbewerb und die Auslastung der Häfen. 

Der Markt der Mega-Carrier entwickelt sich zunehmend – das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) prognostiziert in einem Thesenpapier, dass ein Großteil der Container-Riesen zukünftig deutsche und nordwesteuropäische Häfen anlaufen wird. Die deutschen Seehäfen müssen deshalb langfristig planen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Seehafen Bremerhaven verfügt jetzt schon über entscheidende Wettbewerbsvorteile: An der fast fünf Kilometer langen Stromkaje finden 14 Container-Riesen Platz. 

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